Zusammenfassung aus einem Referat an der Jubiläumstagung der Allianz Pädiatrische Pflege Schweiz, 2. September 2026
Wie sieht die pädiatrische Versorgung in zehn Jahren aus? Welche Technologien wir 2036 nutzen werden, lässt sich kaum vorhersagen. Klar ist aber: Viele Entscheidungen, die diese Zukunft prägen werden, werden bereits heute getroffen. Im Zentrum sollte dabei nicht die Technologie stehen, sondern das Kind und seine Versorgung.
Mia ist neun Jahre alt und lebt mit einer chronischen Erkrankung.
Ihr Versorgungsweg führt sie von zu Hause in die Kinderarztpraxis, ins Kinderspital und wieder zurück nach Hause, zur Spitex, in die Therapie, in die Schule und in den Alltag. Für Mia ist das eine Versorgung. Unser Gesundheitssystem organisiert dagegen viele einzelne Episoden, Institutionen und Zuständigkeiten. Gerade an den Übergängen entstehen Brüche. Informationen müssen weitergegeben werden, Zuständigkeiten wechseln und erstaunlich oft sind es die Kinder, Eltern und Bezugspersonen selbst, die den besten Überblick behalten und einen erheblichen Teil der Koordination übernehmen.
Mehr Systeme, Plattformen, Apps und Daten bedeuten nicht automatisch eine besser vernetzte Versorgung. Eine Information kann digital vorhanden sein und trotzdem nicht dort ankommen, wo sie gebraucht wird. Systeme können technisch verbunden sein, ohne dass die dahinterliegenden Prozesse zusammenspielen. Ein funktionierendes digitales Gesundheitsökosystem braucht deshalb mehr als Technologie.
Informationen, Daten, Kommunikation und Koordination müssen über Organisationsgrenzen hinweg zusammenspielen. Digitalisierung schafft Möglichkeiten für Vernetzung. Aber Vernetzung selbst müssen wir gestalten.
Gerade die pädiatrische Pflege bringt dafür eine entscheidende Perspektive mit. Sie bewegt sich zwischen Kind, Familie, Medizin, Therapie und Alltag. Sie kennt nicht nur die klinische Situation, sondern erlebt auch, was Versorgung für ein Kind und seine Familie konkret bedeutet.
Deshalb greift die Frage «Kann Pflege digital?» zu kurz. Die wichtigere Frage lautet: Wer gestaltet die digitale Versorgung, wenn die Pflege es nicht tut?
Digitale Kompetenz bedeutet nicht nur, neue Systeme oder KI anwenden zu können. Pflege sollte mitentwickeln, wie Versorgung gestaltet wird, mitbestimmen, welche Daten relevant sind, Informationsflüsse mitgestalten sowie den sinnvollen Einsatz und die Grenzen von KI mitdefinieren. Kurz: von der Anwenderin zur Mitgestalterin. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, dass die Pflege die Zukunft allein gestaltet. Gute Versorgung entsteht kollaborativ. Unterschiedliche Perspektiven müssen zusammenkommen, und zwar möglichst schon bei der Frage, welches Versorgungsproblem wir eigentlich lösen wollen, und nicht erst dann, wenn eine technologische Lösung bereits gewählt wurde.
Genau solche Gestaltungsräume versuchen wir auch im digital health center bülach zu schaffen: neutral über Organisationsgrenzen hinweg, verbindend zwischen unterschiedlichen Perspektiven, kollaborativ in der Entwicklung und mit dem Anspruch, vom Problem tatsächlich zur Umsetzung zu kommen.
Und Mia im Jahr 2036?
Vielleicht muss Mia ihre Geschichte nicht mehr fünfmal erzählen, weil relevante Informationen sie begleiten.
Eltern und Bezugspersonen sind weiterhin sehr wichtig, aber nicht mehr die primäre Schnittstelle zwischen den Institutionen.
Wahrscheinlich helfen auch Daten aus dem Alltag dabei, Veränderungen früher zu erkennen.
Ganz klar wirkt pflegerische Expertise selbstverständlich über verschiedene Settings hinweg.
Und hoffentlich unterstützt Technologie genau dort, wo sie einen Mehrwert schafft, während Beziehung, klinische Einschätzung und Verantwortung menschlich bleiben.
Das Ziel ist damit nicht einfach eine digitalere Versorgung.
Das Ziel ist eine bessere Versorgung, ermöglicht durch Digitalisierung.
Die digitale Zukunft entsteht ohnehin. Die entscheidende Frage ist, ob wir sie mitgestalten.
Kontakt
Weitere Informationen unter Allianz Pädiatrische Pflege Schweiz oder bei unserer COO Corinne Spirig.




