Sechs Beobachtungen aus unserem Netzwerk rund um Künstliche Intelligenz

1. Oktober 2026

Künstliche Intelligenz ist aktuell eines der meistdiskutierten Themen im Gesundheitswesen. In den zahlreichen Gesprächen mit Spitälern, Heimen, Praxen, Hochschulen, Startups und Technologieanbietern
begegnen uns dabei immer wieder ähnliche Fragestellungen. Interessanterweise drehen sich diese oft weniger um die Technologie selbst als um deren Umsetzung im Alltag. Wir möchten deshalb keine weitere Übersicht über Tools oder Trends liefern. Stattdessen teilen wir einige Beobachtungen aus unserem Netzwerk und laden zur Diskussion ein.

Beobachtung 1

Alle suchen nach konkreten Anwendungsfällen

Die häufigste Frage lautet derzeit nicht mehr „Was ist KI?“, sondern „Wo funktioniert KI bereits heute?“. Organisationen interessieren sich zunehmend für umgesetzte Use Cases, Erfahrungen aus dem Alltag und konkrete Mehrwerte. Besonders häufig diskutiert werden derzeit Anwendungen rund um medizinische Dokumentation, Berichtserstellung, Wissensmanagement und Prozessautomatisierung. Gleichzeitig zeigt sich: Viele suchen nicht nur nach bestehenden Beispielen, sondern auch nach Ansatzpunkten für den eigenen Einstieg.

dhc-Praxisimpuls

  • Kläre ab: Welches Problem soll tatsächlich gelöst werden? Und ist KI wirklich die Lösung?
  • Beachte: Nicht jeder erfolgreiche Use Case lässt sich 1:1 auf eine andere Organisation übertragen.
  • Tausche dich aus mit: Organisationen, die bereits erste Erfahrungen gesammelt haben.

dhc-Praxisimpuls

  • Kläre ab: Welchen konkreten Mehrwert erwartest du über die reine Zeitersparnis hinaus?
  • Beachte: Technologie schafft Möglichkeiten. Die eigentliche Wirkung entsteht erst durch organisatorische Entscheidungen meist über den Bereich hinaus.
  • Tausche dich aus mit: der Führung, den Fachbereichen und im Netzwerk.

Beobachtung 2

Wir sprechen über Effizienz, aber selten über das Ziel

Bei vielen Projekten stehen Entlastung, Zeitgewinn und Effizienzsteigerung im Vordergrund. Wesentlich seltener diskutiert wird jedoch die Frage: Was passiert eigentlich, wenn diese Effizienzgewinne tatsächlich eintreten? Werden Ressourcen anders eingesetzt? Entsteht mehr Zeit für Patient:innen? Werden Prozesse neu gestaltet? Oder bleibt am Ende einfach mehr Arbeit übrig? Diese Diskussion dürfte in den kommenden Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen. 

Beobachtung 3

Der Nutzen wird erwartet, aber selten gemessen

Viele Organisationen versprechen sich einen Mehrwert durch KI. Belastbare Aussagen zu Return on Investment, Qualitätsverbesserungen oder nachhaltigen Effekten sind aktuell jedoch noch selten tatsächlich nachweisbar. Oft steht nicht die unmittelbare Wirtschaftlichkeit im Vordergrund, sondern institutionelles Lernen, Erfahrungssammlung und die Vorbereitung auf zukünftige Entwicklungen. Das ist legitim. Es sollte jedoch transparent gemacht werden.

dhc-Praxisimpuls

  • Kläre ab: Geht es aktuell um Lernen oder um messbare Wirkung?
  • Beachte: Nicht jedes Projekt braucht sofort einen Business Case. Aber jedes Projekt sollte wissen, woran Erfolg gemessen wird und was der Beitrag zur Strategie ist.
  • Tausche dich aus mit: dem Controlling, dem Qualitätsmanagement und den Projektverantwortlichen. 

dhc-Praxisimpuls

  • Kläre ab: Wo liegt die eigentliche Hürde im Projekt?
  • Beachte: Ein technisches Problem benötigt eine andere Lösung als ein organisatorisches Problem.
  • Tausche dich aus mit: den Personen, die später tatsächlich mit der Lösung arbeiten.

Beobachtung 4

Die Technologie ist selten die grösste Herausforderung

Diese Erkenntnis mag wenig spektakulär klingen, da sie längst bekannt ist, jedoch begegnet sie uns dennoch immer wieder. Die Technologie selbst ist häufig der einfachere Teil, während die grössten Herausforderungen meist hier liegen:

  • Verteilung von Ressourcen
  • Priorisierung von Ideen und Optimierungspotenzialen
  • Klärung von Verantwortlichkeiten
  • Integration in bestehende Prozesse
  • Akzeptanz bei Mitarbeitenden
  • Überführung in den Betrieb, nachhaltige Umsetzung
  • Frühzeitige Einbindung der Entscheidungsträger 

Beobachtung 5

Pilotieren ist einfacher als Skalieren

Pilotprojekte gibt es mittlerweile viele. Die entscheidende Frage für eine weitsichtige Umsetzung lautet jedoch: Wie gelingt die Überführung in den Alltag? Gerade bei grösseren Organisationen entstehen hier neue Herausforderungen bezüglich Finanzierung, Betrieb, Governance und Verantwortlichkeiten. 

dhc-Praxisimpuls

  • Kläre ab: Wer betreibt die Lösung nach der Pilotphase? 
  • Beachte: Ein erfolgreicher Pilot ist noch keine erfolgreiche Implementierung, geschweige denn eine Skalierung. 
  • Tausche dich aus mit: Betrieb, IT, Fachbereichen und Management. 

dhc-Praxisimpuls

  • Kläre ab: Welche Regeln helfen tatsächlich im Alltag?
  • Beachte: Verbote allein schaffen selten Akzeptanz, sondern es braucht einen Dialog.
  • Tausche dich aus mit: Verantwortlichen rund um Datenschutz und Informationssicherheit, IT und den späteren Anwender:innen.

Beobachtung 6

Governance ist wichtig, begeistert aber niemanden

Die Bedeutung der Wichtigkeit von Datenschutz, Governance und Richtlinien gehören mittlerweile zu fast jeder KI-Umsetzung. Gleichzeitig erleben viele Organisationen eine gewisse Diskrepanz zwischen erforderlichem Regelwerk und gelebtem Alltag. Mitarbeitende nutzen Tools teilweise bereits heute eigenständig und unabhängig von offiziellen Vorgaben. Daher bleibt Governance weiterhin relevant, muss jedoch praktikabel bleiben und den Arbeitsalltag berücksichtigen. 

Dieser Inhalt wurde in unserem Newsletter No. 1 / 2026 zum Thema „KI im Gesundheitswesen“ veröffentlicht. Er ist auf Anfrage bei info@dhc.zuerich als Whitepaper erhältlich.

 

Disclaimer: Die Inhalte basieren auf Beobachtungen und Diskussionen innerhalb unseres Netzwerks. Sie dienen dem fachlichen Austausch und stellen keine rechtliche oder regulatorische Empfehlung dar. 

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